Stadtkirche – ein kleiner Ausflug in die Baugeschichte
Damals und heute…
Mitten in der Stadt präsentiert sie sich, unsere Stadtkirche deren Name „Unserer lieben Frauen“ oder auch „St. Marien“ ist. Sie entstand in der Ottonischen Zeit ( 919 – 1024 ) um das Jahr 1000, in der sich die Romanik als Baustil entwickelte. Unsere Kirche wurde seitdem oft um- und ausgebaut und daher lassen sich mehrere Baustile erkennen.
Das geübte Auge findet typische Merkmale der Romanik an einem der Haupttürme. Das Gurtgesims und kleine Fenster sind wohl am auffälligsten. Wuchtige Mauern und kleine Fenster waren typisch und bedingten die Dunkelheit in den damaligen Kirchen. Noch heute ist ein bemerkenswerter Türklopfer aus jener Zeit erhalten und befindet sich an der inneren Westtür, am Haupteingang der Kirche. Auch der Stein mit dem Kreuzpfennig stammt aus dieser Zeit. Der Kreuzpfennig „war in alter Zeit das Wahrzeichen von Meiningen.“ ***)
Der Chorraum der Kirche mit seinen Strebepfeilern und dem Sterngewölbe wurde im Baustil der Gotik
( 1443 – 1455 ) geschaffen und ist bis heute in seiner Schönheit erhalten. ***)
Erst in der Zeit von 1884 – 1889 erhielt unsere Stadtkirche nach dem Entwurf des Oberbau- und Regierungsrates Otto Hoppe ihr heutiges Gesicht. Der leitende Architekt Carl Göbel wollte „der Hauptfront der Kirche eine größere Breite geben. Sie sollte in Einklang mit der größeren Breite des neu zu erbauenden Hauptraumes der Kirche gebracht werden. So wurde aus Rücksicht auf das akademische Ideal einer harmonischen Grundrisslösung der alte Südturm geopfert. Er wurde abgebrochen und statt dessen ein neuer Turm, etwa 5m südlich von dem alten, aufgebaut. Einen Ersatz für den Abbruch des alten Turms glaubte man darin gefunden zu haben, dass man die alten Steine bei dem Aufbau des neuen Turms wieder verwendete.“***)
Die Grundsteinlegung für dieses Projekt fand am 06. September 1884 statt und war eine besondere Feierlichkeit am 80. Geburtstag der Herzogin Marie, der Mutter des Herzog Georg II. Alle kirchlichen und staatlichen Würdenträger aber auch die Bürger der Stadt fanden sich zu diesem Spektakel auf dem Marktplatz ein.
„Dies Gotteshaus ward geweihet zu Ehren der Jungfrau Maria“, berichtet das Meininger Tageblatt. „Wir legen eben erst den Grundstein und fügen dem Baue noch nicht den Schlussstein ein. Aber zwischen Grundstein und Schlußstein liegt noch ein weiter Weg, ein Weg voll von neuer Arbeit, von neuer Mühe, voll von neuen Gefahren, von neuen Plänen und Beschlüssen.“, hieß es damals in der Abschlussrede des Herrn Archidiakonus Luther.**)
Wo aber liegt der geweihte Grundstein? „Es ist der große Stein, der über dem Sockelgesims des mittleren der 5 nördlichen Strebepfeiler des Kirchenschiffes eingemauert ist.“**) – bestimmt finden Sie den.
Finanziert wurde der Umbau durch Spenden, mit Krediten und einer eigens dafür eingerichteten, deutschlandweit agierenden Kirchenbaulotterie. „Der Umbau erstreckt sich auf den vollständigen Umbau des Schiffes in regelrechter Gestalt, das Versetzen des südlichen Turmes, die Wiederherstellung des Chores und den inneren Ausbau. Die Orgel wird instand gesetzt und aus dem Chorbau in den Giebelraum zwischen den Türmen verlegt.“, las Herr Bürgermeister Seifarth aus der Stiftungsurkunde.**) So war der Plan.
Die dabei mit Greppiner Verblendern aufgemauerten Turmhauben erhielten einige Jahre später im Jahr 1902 eine Verkleidung aus Kupferplatten, die durch Spenden von
Hauptsponsor Adolf Braun und weiterer wohlhabender Bürger finanziert wurde. ****) Lange Zeit zuvor wurde liebevoll über „meiningens gelbe Rüben“ gelästert, erfahren wir vom Stadtbotschafter Frank Weinelt, der uns als Anton Ulrich im Herzog- Georg- Jahr 2026 in Meiningen begegnet.
Zugleich macht er auf einen kleinen Ofen in der Größe einer Handlaterne aufmerksam. Dieses Originalstück kündet vom unbeheizten Kirchenraum. Damals stellten die Damen sich das Öfchen unter den Rock. Wie wir von Frank Weinelt hörten, kam es hin und wieder auch zu Rockbränden während des Gottesdienstes.
Die Idee für ein buntes, mit glasierten Ziegeln gedecktes Dach, hatte Herzog Georg II, der auf seinen Reisen den Stephansdom in Wien bewundert hat. Nun werden wir sehen, ob die besonderen Ziegelsteine auch im 21. Jahrhundert noch zu besorgen sind.
*) Quelle: Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Altertums, Meiningen 1916- Prof. Dr. Pusch
**) Quelle: Die Stadtkirche Meiningen von Oberbaurat Dr.h.c. Fritze
***) Wissens- und Zitatenquelle: Bau- und Kunst- Denkmäler Thüringens, Heft XXXIV, Herzogtum Sachsen- Meiningen von G. Voss, Jena 1909, Verlag Gustav Fischer
****) Internet, Wikipedia
U. Pechthold FöV/ 10-2026
Konzertreihe "Musik-Welt-Kirche"
und Meininger Orgelsommer
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