zum Inhalt

Augenblick mal...
Gedanken, Meditationen, Predigten - Archiv

« zurück zur Archiv-Übersicht

24.12.2006

Weihnachtsansprache

Weihnachtsansprache anlässlich der Musikalischen Mitternachtsmesse am  24.12.2006 um 22.00 Uhr in der Stadtkirche zu Meiningen
Johannes 3, 16 – 17
von Pfr. Christoph Knoll

Vor einigen Tagen stand ich draußen am Glühweintreff auf unserem Weihnachtsmarkt zusammen mit drei/vier Leuten in meinem Alter.
Wir haben erzählt, Glühwein getrunken, gelacht – und dann kam sie – die Frage an mich:
„Sag mal, Christoph, wie kann denn Jesus Gottes Sohn sein ?!“

Ich hab dann geantwortet: „Na ja, er ist als Mensch geboren wie du und ich, Maria hat ihn geboren und Jesus lebte in realer Zeit und wuchs an einem realen Ort auf .  Aber trotzdem ist es ein Geheimnis, daß er – ganz Gott und ganz Mensch ist“

Mein Gegenüber machte nur  mmhhhhhh und fragte dann:
„und was hat das Ganze mit mir zu tun ?“
Tja – was hat Gott und die Geburt Jesu, sein Menschsein, mit mir zu tun oder mit dir oder mit Ihnen?

Ich finde – Heilig Abend, Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken. An Heilig Abend kenne ich dieses Gefühl gut, daß dieser Abend anders ist als andere – sich etwas fallen lassen können in die Stille der heiligen Nacht . Sicher, auch etwas Wehmut, auch etwas Sehnsucht nach Kindheitstagen und unbelasteten Zeiten ist schon auch mit dabei…

Und dann ertappe ich mich, wie ich in Erinnerungen schwelge, wie meine Kindheitstage an Heilig Abend waren, so vor 30, 35 Jahren .  Damals, als unsere Familie noch vollzählig versammelt war, um den Baum, die Pyramiede und wir erwartungsvoll in die Kerzen geschaut haben…... Wir haben Weihnachtslieder gesungen, und meist eine Geschichte gehört.

Eine unwiederbringliche Zeit, aber die Erinnerung bleibt. Auch die Erinnerung an diese Geborgenheit -  ich war sicher zuhaus –Frieden war da.

Haben Sie ähnliche Erinnerungen ?

Und dann die Geschenke. Jedes Jahr dieselben 2  Fragen: was schenke ich nur ? u n d  was werde ich geschenkt bekommen ? Wird es gefallen ? Kann ich es gebrauchen ?  Selbst wenn nicht – danke sagt wohl jeder … .

Derlei Geschenke sind aber etwas anderes als der Satz:
Im  Leben bekommt man nichts geschenkt.

Dieser Satz  ist eine Erfahrung, eine Bittere.
Im Leben wird gefordert: „wenn du was von mir haben willst, dann mußt du mir dafür dies gebe: Wenn du etwas geben willst, sei gewiß – ich bleibe dir nichts schuldig. Du wirst eine Gegenleistung erhalten.

Denn – geschenkt bekommt man nichts im Leben, oder ?

Textlesung: Johannes 3, 16-17

Und was hat nun Gott und die Geburt Jesu mit mir zu tun - 0der mit dir -  oder mit Ihnen ?

Es hat etwas mit unserem Weg durch das Leben zu tun !!

Wir bekommen etwas geschenkt, ohne, daß wir Gott eine Gegenleistung dafür bringen müssten – nur eines wünscht er sich von uns:

 Gott mehr zu vertrauen als nur allein sich selber !

„Gott gibt seinen Sohn, damit alle, die an ihn glauben, gerettet werden.“

 Das ist ein Geschenk, daß nicht unterm Weihnachtsbaum liegt, sondern in einer Krippe. Es ist das  Geschenk eines neuen Lebens.

Und in einer Krippe beginnt es !

Ausgerechnet in einer Futterkrippe – einem  Holztrog, aus dem sonst das Vieh mit mahlenden Zähnen das Heu frißt.

Aber bis zu dieser Krippe - bis zu diesem Neuen Leben - bis zu Gott, muß man manchmal einen ziemlich mühsamen Weg in seinem Leben aufsichnehmen.

Frauen scheint dieser Weg leichter zu fallen, weil für sie eine göttliche Spiritualität doch irgendwie greifbarer, möglicher  zu sein scheint.

Wir Männer haben da einen mühsameren Weg, denn welcher Mann lässt sich schon gerne fremdbestimmen, wo wir Männer in der Mehrzahl den Lebenssinn doch über Leistung in jeglicher Art definieren.

Und dann sehe ich 2 Möglichkeiten: viele Leute gehen überhaupt gar nicht erst los in Richtung Leben mit  Gott  - in Richtung Neues Leben –, aber suchen trotzdem nach erfüllendem Lebenssinn.

Oder -  2. Möglichkeit:

Leute gehen los, allerdings auf dem Weg des Zweifels, des nicht-glauben-könnens, aber immerhin – sie gehen los ! Und manche von uns haben einen ziemlich langen Weg hinter sich  - von denWohnungen bis hin zum Stall,

bis hin zum Kind – getrieben vielleicht von einer Tradition, einer Stimmung, einem Gefühl, warum nicht – vielleicht aber auch getrieben von Fragen oder einer Hoffnung oder einem Glauben .

Aber  als  was, als wer sind wir unterwegs ? 

Wir haben es gut gelernt, nicht zu zeigen, wie es in einem innen aussieht – wie es einem wirklich zumute ist.

Aber könnte man durch Wände sehen - dann würde man es wahrnehmen können – jene innersten Paläste oder Ruinen unseres  Menschseins,manche mit Tränen in den Auge andere mit einem hoffnungsvollen Blick. wieder andere mit  krummen Rücken, gestützt auf mehr oder minder tragfähige Lebenskrückstöcke andere schämen sich und würden sich vor den ordentlichen, richtigen  Leuten am liebsten verkriechen


Jeder kann für sich nur selber sagen, wie sein innerster Ort aussieht, den man sich oft selber kaputt macht,  oder manchmal leider auch von anderen kaputt gemacht bekommt –

Und nur  SIE kennen Ihren inneren Hilfeschrei gegen das Entwurzeltsein – kennen Ihre eigenen trüben Lebensquellen am besten, oft bittere Wasser, die da heißen können:  Ärger –Druck- Angst….

Und ich kenne die meinen auch …

Mit all dem, was wir sind und haben – nach außen schöngeschminktverborgen – sind wir unterwegs zum Kind in der Krippe.

Aber wir sind nicht allein unterwegs – Hirten und 3 Männer mit kostbaren Geschenken haben sich auch aufgemacht – innerlich  angespannt, nicht richtig wissend, was sie erwartet, sind sie dem Stern hinterhergelaufen ,eigentlich gegen jede Vernunft , aber dann doch angekommen in diesem Stall - an dem Ort des Lebens .

Sie öffnen die Tür und finden Josef und Maria. Und sie sehen das Kind in einer Krippe liegen. Aber sie sind nicht allein. Sie finden uns – einen  bunten  Haufen menschlicher Schicksale. Und jeder hat etwas mitgebracht.
Manche nur 1  einzige Frage:
Was ist mein Sinn und mein Ziel,  auf dieser Erde zu leben !? 

Wer danach fragt, hat wohlmöglich schon viele Antwortversuche hinter sich.
Antworten, die sich vielleicht nur um sich selber drehten – meine Selbsterfüllung – meine persönliche Zufriedenheit - Glück – Familie-Karriere –kühne Träume und Vorstellungen.

Aber nicht selten nagt der Zweifel, ob das durch das Leben wirklich hindurchträgt ?!
Wenn’s gut geht – vielleicht ! Und wenn nicht ?

Was ist mein Sinn und mein Ziel, auf dieser Erde zu leben ?!

Dabei ist zur Beantwortung dieser Frage eines klar:  keiner von uns hat sich selbst erschaffen, und deshalb kann keiner sagen, wozu ER oder SIE erschaffen wurde.

Das ist wie bei einer Erfindung:
Wenn man uns hier vorne eine Erfindung hinstellen würde, die wir vorher noch nie gesehen haben, dann würden  wir  vermutlich Sinn und Zweck dieser Erfindung nicht verstehen.

Und auch die Erfindung selbst könnte uns das nicht mitteilen.
Wer kanns ?
Nur der Erfinder oder eine Betriebsanleitung könnten uns Sinn und Zweck erklären.
Um also diese Erfindung verstehen zu können, muß man nach den Anfängen fragen und nach dem Zweck.
Und was steht am Anfang jeder menschlichen Schöpfung ?
Am Anfang steht Gott als Ihr und mein Schöpfer.
Sie und ich existieren, weil Gott WILL, dass Sie und ich existieren – von Gott erschaffen u n d   für Gott erschaffen, damit Liebe und Frieden unter uns Menschen werden kann.

Aber das macht Angst, denn es bedeutet,
seinen Blickwinkel von sich weg auf Gott zu richten – seinen Blick von der eigenen Kraft auf Gottes Möglichkeiten zu richten.
Die Bibel nennt das Vertrauen oder Glaube.
In diesem Gott werden wir dann unseren Ursprung, unsere Identität, unseren Sinn und unsere Lebensbedeutung finden.

Die Geburt Jesu ist der Garant dafür.
Ich denke, mit den Leuten, die sich im Stall von Bethlehem eingefunden haben- befinden wir uns da in guter Gesellschaft. Auch die waren alles andere als perfekt. Und auch die waren Suchende und vom Leben gezeichnete. Sie  alle kommen, aus allen Schichten, und  sind  von  diesem  Kind  einfach  nur  angerührt!!

Jetzt sind nur die geschlossenen Händchen eines Babys zu sehen – später werden diese Hände Menschen segnen.

Jetzt sind die Hände noch zu klein, um nach den Tiernasen zu greifen – später legt Jesus seine Hände Menschen auf, um taube Ohren und blinde Augen zu öffnen.

Jetzt sind die Augen noch geschlossen, und können den Köpfen der Tiere nicht folgen –  später begegnet Jesus den Menschen mit seinem Blick, der ausdrückt:

„ du bist unendlich wertvoll“ !

Jetzt können die Füße noch nicht stehen – Deshalb ist es eine heilige Nacht, die allen Menschen gewidmet ist.
Allen - die wieder leben - hören und empfinden wollen, was es heißt:
euch ist heute der Heiland geboren.

Amen

« zurück zur Archiv-Übersicht

 

 

Monatsspruch
Mai 2012

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
(1.Tim 4,4)
Jahreslosung 2012
Jesus Christus spricht: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."
(2. Korinther 12,9)
Gedanken zur Jahreslosung
© KIM - Kirche(n) in Meiningen | Pfarrer Christoph Knoll, Neu-Ulmer-Str. 25 b, 98617 Meiningen, Tel.: 03693-84090   |  © Webdesign, Programmierung, CMS, Hosting
nach oben|Seite drucken